Daumen runter: Replikate

Abschreiben und Kopieren? Setzen, sechs!

Heute lässt sich schon fast die Regel aufstellen: Zu jedem Original findest du auch ein passendes Replikat. Also eine Kopie von etwas, das irgendwann einmal jemand mit mehr oder weniger hohem Aufwand erfunden, entwickelt oder erarbeitet hat. Die meisten von uns haben das Vorsicht Fälschung„Prinzip Kopieren“ wahrscheinlich direkt in der Schule zum ersten Mal kennengelernt. Da gab es diejenigen, die blitzschnell und unbemerkt von anderen erfolgreich abgeschrieben haben. Dann die „Nerds“, die wegen ihres Überflieger-Daseins während des gesamten Schulbetriebs von ihren neidischen Mitschülern ausgegrenzt wurden um dann, wenn die Klassenarbeiten kamen, ihre Sternstunden als gefragteste Mogel-Partner in vollen Zügen genießen zu können. Und nicht zuletzt diejenigen, die mit rundem Rücken und hochgezogenen Schultern ihre Aufgabenblättchen zu beiden Seiten mit den Armen verschränkten, damit ja nicht irgendjemand auch nur ein Fitzelchen von ihren genialen Antworten zu sehen bekommt.

Ein Plagiat ist ein Plagiat ist ein Plagiat. Basta.

Auch wenn die ersten beiden Typen aus dem obigen Beispiel vielleicht die meisten Kameraden-Sympathiepunkte bekommen, haben die meisten von uns im Laufe ihres Lebens längst gelernt, dass das Abschreiben (lassen) im direkten und übertragenen Sinne nie zu dauerhaftem Vorteil oder Erfolg führt. Im Gegenteil. Oft ist es nicht nur so, dass der gewünschte Erfolg ausbleibt. In den allermeisten Fällen fliegen die Betrüger zudem früher oder später schwungvoll mit ihren Plagiaten auf, sodass gleich ganze Karrieren dahin sind. Wir erinnern uns alle an die mehr oder weniger prominenten Fälle der letzten Jahre, deren Niedergang wir durch das Auffliegen von Plagiaten mitverfolgen konnten.

Was ist eine Schweizer Uhr ohne Schweizer Uhrwerk?

Designermöbel Replikate sind nichts anderes als Plagiate bei wissenschaftlichen Arbeiten. Wer nach dem geistigen Eigentum eines anderen Produkte reproduziert und an den Markt bringt, ohne dass er dazu die Erlaubnis des anderen hat, handelt nicht legitim. Nicht ohne Grund gibt es z. B. Urheberrechte, Patente und Gebrauchsmuster die gegen diesen Missbrauch schützen. Das jeweils geschützte geistige Eigentum steht für einen gewissen Wert, der entwickelt, erforscht, aufgebaut wurde.

Wenn wir an eine Schweizer Uhr denken, denken wir sofort an den gemeinhin bekannten hohen Wert eines Schweizer Uhrwerks. Wir würden uns betrogen fühlen, wenn wir eine Uhr kaufen, die die Marke eines berühmten Schweizer Uhrenherstellers trägt und augenscheinlich exakt wie ein bestimmtes Produkt dieser Marke aussieht, bei detaillierter Analyse allerdings offenbart, dass es eine Kopie von minderwertigem Material und ohne das einzigartige technische Innenleben ist. Wir würden uns zu Recht betrogen fühlen, weil uns ein gewisser Wert vorgegaukelt wird, der jedoch gar nicht im Produkt enthalten ist.

Aber es gibt doch Argumente, die für Designermöbel Replikate sprechen, oder?

Nun mögen einige sagen, dass viele Designermöbel-Replikate doch gar nicht vorgeben das Original zu sein, sie hätten ja schließlich nicht das Etikett bzw. die Seriennummer des lizensierten Original-Herstellers. Dieses Argument ist nicht wirklich belastbar, denn allein die zu 100% an das Original angelehnte optische Beschaffenheit der Replikate erzeugt schon ausreichend den Eindruck, dass sie wie ein Original wirken sollen. Und genau für diesen ködernden „Ich bin ein Original“ Eindruck werden die Replikate ja auch von vielen zu Schnäppchenpreisen angeboten.

Einige argumentieren weiter, dass sie mit ihrem Kauf einer Fälschung bei einem nicht lizensierten Replikate-Hersteller auch ein Stück weit gegen die vergleichsweise hohen Preise der lizensierten Hersteller von Original-Designermöbeln protestieren. Sie sagen, dass der Designer Produktpiratsicher nicht gewollt hätte, dass sein Produkt so hochpreisig nur für ein bestimmtes Klientel zur Verfügung steht. Natürlich kann man diskutieren, wieviel bei Markenprodukten oftmals allein für den Namen bezahlt werden muss. Hier kommen allerdings Mechanismen von Angebot und Nachfrage zum Tragen, die schon seit Menschengedenken den Austausch von Waren begleiten.

Wahrscheinlich wären heute einige der längst verstorbenen Bauhaus-Designer erschrocken darüber, zu welchen hohen Preisen ihre Designs derzeit verkauft werden. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie lieber die Kröte „zu hohe Preise“ schlucken würden, als ansehen zu müssen, wie ihre mit viel Aufwand erschaffenen Werke heute von weniger designverliebten sondern eher profitgierigen Nachahmern verramscht werden.

Was du nicht willst, das man dir tu…

Vielleicht hilft es denjenigen, die den zum Glück hierzulande immer noch existierenden Urheberrechten keine besondere Bedeutung beimessen, sich einfach einmal folgende Situation vorzustellen: Stell dir vor du bist jemand, der ein einzigartiges Produkt entwickeln möchte. Jemand, der viele Jahre unermüdliche Entwicklungsarbeit investiert, um etwas zu erschaffen, das in seinem Wert Generationen überdauern kann. Auf deinem Weg zu deinem perfekten Produkt stellst du dir in mühsamer Kleinarbeit deine einzigartige Formel für die einzigartige Beschaffenheit deines Produktes zusammen.

Nach langer Entwicklungszeit und hohen Vorlaufkosten bringst du dein Produkt schließlich erfolgreich an den Markt. Nach kurzer Zeit treten Trittbrettfahrer auf, die Fälschungen deines Produktes an den Markt bringen. Sie missachten dabei, welche besonderen Materialien und welche speziellen Herstellungsverfahren du für dein einzigartiges Produkt vorgesehen hast. Sie vermarkten dein Produkt in minderwertiger Qualität zu deutlich günstigeren Preisen. Sie machen Profit auf Kosten deiner Marktanteile, mit Produkten die mit deinem Namen in Verbindung gebracht werden und deren Qualität du nicht kontrollieren kannst. Immer mehr Produkte von minderwertiger Qualität kommen so auf den Markt und werden mit deinem Namen in Verbindung gebracht.

Ich glaube, dass spätestens jetzt bei jedem von uns ein berechtigtes Interesse für den Schutz von Urheberrechten aufkommen sollte. Und noch etwas: Auch nach Ableben der Designer bleiben die Urheberrechte an deren Produkten bestehen. Sie haben einen Wert geschaffen der in der Welt bewahrt und bleiben sollte. Die lizensierten Hersteller verpflichten sich in vielen strengen Auflagen für den Qualitätserhalt der Designerprodukte. Sie übernehmen mit der Lizenz die Verantwortung für den Werterhalt des Produktes.

Die Verlockungen bei Plagiaten sind – nicht nur bei Designermöbeln – groß, das kennen wir sicher alle. Aber wenn wir uns vor Augen halten, was mit dem Werterhalt besonderer Originale passiert, sobald wir den Verlockungen erliegen, fällt es uns vielleicht ein bisschen leichter, einen Bogen um Fälschungen zu machen. Mehr darüber, wie du Anbieter von Replikaten schnell entlarven kannst, findest du hier. Bei weiteren Fragen oder Anregungen freue ich mich jederzeit über deine Nachricht!

photo credit: Luca Mortellaro via photopin

 

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