Ein genialer Stuhl mit Schwung – der Thonet S32

Thonet S32

Wenn es bei Möbeln um zeitlose Evergreens geht, dann ist der Thonet S32 auf jeden Fall einer von ihnen. Mit raffinierter Materialwahl und intelligenter Umsetzung des komfortablen Schwingens, hat Marcel Breuer diesen Freischwinger als ausgereiften Nachfolger der ersten Prototypen seiner Art auf den Markt gebracht.


Designer Breuer StamProdukt: S32 Freischwinger
Designer: Marcel Breuer / Mart Stam
Entwurfsjahr: 1929
Hersteller: Thonet


It´s magic!

Es ist doch wirklich erstaunlich was die alten Klassiker in unserer heutigen Zeit noch immer für eine Rolle spielen. Während heute mit viel Aufwand Marken entwickelt werden, damit sie wenn´s gut läuft zumindest über ein paar Jahre hinweg eine mehr oder weniger große Rolle auf unseren schnelllebigen Märkten spielen können, bleiben bestimmte Klassiker über viele Jahrzehnte hinweg einfach durchgängig hip.

Thonet S32 MeetingSo auch dieser bequeme, auch als Cesca Stuhl bekannte Freischwinger von Marcel Breuer. Seit über 80 Jahren lässt die Magie dieses „Stuhls ohne Hinterläufe“ einfach nicht nach. Bis heute wird er mit Vorliebe für Konferenz- und Meetingräume, Wartezonen und ebenso im Privaten z. B. als Esszimmer-Stuhl eingesetzt. Es scheint fast so, als würde sich das Faible für diesen zeitlosen Schwung-Stuhl über Generationen hinweg vererben:)

Der Meister des gebogenen Stahlrohrs

Nachdem Marcel Breuer bereits 1925 bei der Entwicklung seines legendären Wassily Chairs Erfahrung mit gebogenem Stahlrohr gesammelt hatte, begann er 1929 mit der Entwicklung eines freitragenden Modells aus gebogenem Stahlrohrgestell. Vorlage war der bereits bekannte „statische Kragstuhl“, welchen Breuer nun mit einer schwingenden Sitzfläche weiter entwickelte.

Das verchromte Gestell des Stuhles ist so konstruiert, dass das gebogene Rohr nach vorne Kufen bildet, nach hinten ohne Stuhlbeine schwebt und für Sitzfläche und Rückenlehne den Rahmen bildet – eine leichte, schnörkellose, eben typische Bauhaus-Form.

Für Sitz und Rücken wird ein Holzrahmen verwendet, der aus gebeizter oder lackierter Buche besteht und in verschiedenen Farben ausgewählt werden kann. Die robuste und bequeme Sitz- und Rückenfläche wird aus einem Rattan-Rohrgeflecht gebildet.

Thonet S32 NussbaumOptional kann für die Sitzfläche ein stabiles, transparentes Kunststoffnetz unter dem Rohrgeflecht verspannt werden. Das ist insbesondere für Stühle mit hoher Frequentierung wie z. B. in Wartebereichen oder Meetingräumen eine sinnvolle Ergänzung. Alternativ zum Rohrgeflecht wird der S32 heute auch als Variante mit Kunststoffnetz in Bugholzrahmen angeboten.

Der S32 ist übrigens ein Stuhl ohne Armlehnen. Mit Armlehnen ist dieser Klassiker Breuers unter dem Modell S64 zu finden.

Wie bei so vielen Klassikern auch hier der Hinweis: Vorsicht vor Fälschungen! Wer sicher gehen möchte, dass er keinem Replikat aufsitzt, sollte darauf achten, dass bei der Bestellung als Hersteller Thonet angegeben ist. Thonet ist seit 1930 durchgängig bis heute der einzig lizensierte Hersteller für diesen Designschatz.

Der geniale Schwingstuhl – wer hat´s erfunden?

Mies van der Rohe, Marcel Breuer, Mart Stam – sie alle haben ab Mitte/Ende der 1920-er Jahre Freischwinger entworfen, von denen viele bis heute hochaktuelle Designklassiker sind. Aber wer hatte die ursprüngliche Idee für einen schwebenden Stuhl ohne Hinterbeine?

Es war Mart Stam, der als erster Designer an einem Gestell aus Gasrohrleitungen herumtüftelte, um einen Stuhl mit rechtwinkligen Vorderbeinen zu entwickeln, der frei schwebend ohne Hinterbeine auskommt und damit eine für die Bauhaus-Generation so bekannte leichte und reduzierte Optik hergibt.

Thonet S32 schwarzDiese erste Entwicklung von Stam wurde als hinterbeinloser Kragstuhl bekannt, der zwar eine schwebende Optik- aber noch keine schwingende Funktion mit sich brachte. Das berühmte freie Schwingen, also das leicht federnde Nachgeben der Sitzfläche unter dem Gewicht des Benutzers, entstand erst in den darauf folgenden Weiterentwicklungen der Stam-Idee durch Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Mart Stam selbst.

Erstmals gezeigt wurden diese neuen Freischwinger Stühle im Sommer 1927 im Rahmen des Projektes „Die Wohnung“ in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Eine Initiative, die weg von gepolsterten, schweren Möbeln Ballast abwarf und auf leichte, reduzierte Möbel in offenen, lichtdurchfluteten Räumen aufmerksam machte.

Bewegte Urheberrechts-Geschichte des Freischwingers

Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe, bzw. deren Vertreter, lieferten sich schon damals einige bewegte Rechtsprozesse um das Urheberrecht am Freischwinger. Stam sah das Konstruktionsprinzip des hinterbeinlosen Stuhles als seine Schöpfung an, welche ihm 1932 auch als künstlerische Urheberschaft an dem kubischen Freischwinger zugesprochen wurde.

Mies van der Rohe hingegen beanspruchte für sich die wesentliche Funktion des freien Schwingens, wodurch er die Rechte für viele technische Details des Freischwingers erhielt. Auch über den Schöpfungsanteil von Marcel Breuer am Grundmodell des Freischwingers wurde immer wieder gestritten.

Letztlich bleibt Mart Stam der Ideengeber für den Freischwinger, welcher später von einigen Designern erfolgreich weiterentwickelt und in verschiedensten Designs als komfortables Sitzerlebnis verfeinert wurde, wie der S32-Freischwinger von Marcel Breuer deutlich zeigt .

Wie ist deine Meinung zu diesem Designklassiker-Stuhl? Ich freue mich auf deinen Kommentar und beantworte jederzeit gerne deine Fragen!

Fotos via thonet.de

 

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4 Comments

    • Hallo Richard, danke für dein Feedback, freue mich dass dir die Infos gefallen:)

  1. Netter Artikel, wir haben ein paar Vintage-Schätzchen von den S32-Stühlen von meinen Eltern, immer noch gut in Schuss:-)

    • Hallo Steve, danke für dein Feedback, in Vintage ist der Klassiker ja nochmal was besonderer, dann pass gut auf auf deine wertvollen Schätzchen und schau mal wieder vorbei!

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