Vorsicht Schwindel: Betrifft alle, die Bauhaus Möbel günstig kaufen möchten

Bauhaus Möbel günstig

Diejenigen, die Bauhaus Möbel günstig kaufen möchten, bringen nicht selten eine ganze Odyssee von Anbietervergleichen hinter sich. Der Markt für diese Möbelklassiker scheint im Dauerboom zu sein und Suchende werden mit enormen Rabatt-Angeboten erschlagen. Viele müssen ihren Schnäppchen-Kauf am Ende allerdings teuer bezahlen.

Die Macht der irrationalen Leidenschaften

Frauen kennen das mit Schuhen, Männer vielleicht mit technischem Spielzeug: Es gibt Dinge, da sendet das Gehirn nur noch eins: Haben wollen! Und wenn das Hirn erstmal „Haben wollen!“ auf Sendung hat, besteht erhöhte Gefahr, dass das rationale Urteilsvermögen abnimmt oder gar ganz aussetzt.

Schuhe die eigentlich etwas zu klein sind – egal, kaufen! Schuhe, die eigentlich schon x-fach so zu Hause im Schrank stehen – egal, kaufen! Schuhe, die eigentlich nicht zu dem Anlass passen, für welchen ich eigentlich dringend welche suche – egal, kaufen!

Da wo die einen wegen schöner Schuhe in extatische Zustände geraten, stehen andere daneben und fragen sich, wie man wegen eines ganz normalen Paars Schuhe so außer sich geraten kann. Sogenannte „irrationale Leidenschaften“ sind der Grund dafür. Oder anders gesagt Bedürfnisse, die keinem wesentlichen Grundbedürfnis zur Bewältigung unseres Lebensalltags entsprechen, aber trotzdem größtes Verlangen nach Befriedigung in uns auslösen.

Design Klassiker wie Bauhaus Möbel gehören wie Schuhe oder Klamotten ebenfalls zu den irrationalen Leidenschaften. Sie befriedigen keine wichtigen Grundbedürfnisse, aber lassen die Herzen derjenigen, die ein Faible für Design haben, reihenweise höher schlagen. Und zwar manches Mal so hoch, dass das nüchterne, rationale Denkvermögen aussetzt.

Bauhaus Buch

Kaufentscheidungen stehen unter rationalem und irrationalem Beschuss

Im Grunde lässt sich der Markt für Bauhaus Möbel grob in drei beteiligte Gruppen unterteilen: Die erste Gruppe sind Anbieter von Originalen (Vintage-Originale oder Originale aus aktuellen Produktionen lizensierter Hersteller), die zweite sind Anbieter von Kopien und die dritte Gruppe sind Interessenten, die bei der ersten oder zweiten Anbieter-Sorte kaufen.

Normalerweise geht unseren Kaufentscheidungen ein gewisser Abwägungsprozess voraus. Wir versuchen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Angebote zu vergleichen und das Angebot mit den meisten Vorteilen gewinnt den Zuschlag.

Aber mit den Vor- und Nachteilen ist es bei den Bauhaus-Anbietern gar nicht so einfach: Die einen liefern als vom Designer (oder dessen Nachfolgern) lizensierte Hersteller die Klassiker-Originale, also echte Vermögenswerte, zu Premium-Preisen. Die anderen produzieren ohne Erlaubnis des Designers (oder dessen Nachfolgern) Kopien zu sensationell günstigen Preisen, sind aber irgendwie von einer ziemlich unseriösen Dunstwolke umgeben.

Bei dieser Ausgangslage zeigen sich zwei typische Wege, in welche die irrationale Kaufentscheidung einschlagen kann: Entweder wird wegen großer Leidenschaft trotz Premium-Preis das Original gekauft, oder der günstige Preis der Replikate erzeugt so eine große Anziehungskraft, dass die rationale Bewertungsfähigkeit über die Daseinsberechtigung von Kopien schlicht ausfällt.

Im zweiten Fall führt das dazu, dass es beinah egal ist, welche Argumente die Replikate-Anbieter für die Legitimierung ihrer Fälschungen bringen – sie werden von den kaufwütigen, preisbewussten Käufern allesamt ungefiltert geglaubt. Alles was die Fälscher über sich erklären, scheint plötzlich plausibel und glaubwürdig.

Schöne Möbel – unschöne Machenschaften

BauhausWas hat die Bauhaus Ära doch an großartigen Design-Ikonen hervorgebracht. Umso trauriger ist es, wie sehr das Ansehen und die Qualität vieler dieser berühmten Designklassiker heute von trittbrett-fahrenden Marktbeteiligten verletzt werden.

Manch ein Käufer aus Deutschland erfährt leider erst dann von den Problemen und Risiken, mit welchen die Replikate behaftet sind, wenn er seine Bestellung bereits ausgelöst hat. Aber was genau macht das Geschäft der Replikate-Anbieter für uns zu einem schlechten Geschäft? Was tun die Fälscher zu unserem Nachteil?

Deutsche Unternehmer aufgepasst!

Die Replikate-Anbieter adressieren gezielt deutsche Unternehmen, Kanzleien, Arztpraxen, Hotels mit ihren kopierten Möbeln samt kurzen Lieferzeiten und Erlass der Mehrwertsteuer. Dabei ist ihnen vollkommen bewusst, dass Unternehmen aus Deutschland sich strafbar machen, wenn sie solche Plagiate kaufen, auch wenn sie aus dem Ausland kommen. Es gab schon zu genüge Fälle, wo hierzulande z. B. große Teile von Foyer-Möbeln aus solchen dubiosen Quellen beschlagnahmt und Schadenersatzforderungen geltend gemacht wurden.

Robin Hood ruft zu Straftaten auf?

Die Anbieter der Fälschungen triggern gezielt unseren Gerechtigkeitssinn, sagen, dass erst durch ihre wohltätige Initiative berühmte Designklassiker auch der breiten, weniger privilegierten Masse zur Verfügung gestellt werden. In Wirklichkeit wollen sie einfach nur aus einem Klassiker-Hype Profit schlagen und erfinden in ihrer Profitgier sogar vermeintliche Bauhaus Klassiker, die es in Wirklichkeit jedoch niemals gab.

Fakt ist: In ihrer getürkten Robin Hood Manier animieren die Fälscher kaufende Unternehmen und ausliefernde Spediteure aktiv zu einer Straftat. Überhaupt bleibt rechtlich auch für private Käufer nur noch ein kleiner Schlupfwinkel, durch welchen sie sich selbst bzw. andere Beteiligte beim Kauf dieser Fälschungen nicht strafbar machen: Wenn sie die im Ausland produzierten Kopien nicht über eine Spedition nach Deutschland liefern lassen, sondern sie selbst im Ausland abholen.

Ich bau mir selbst einen Porsche?

Die Hersteller dieser Nachbauten behaupten, die lizensierten Hersteller würden die Klassiker zu überteuerten Preisen anbieten. Selbst wenn es so wäre – auch das gäbe den Fälschern nicht das Recht, ohne Erlaubnis das geistige Eigentum anderer zu reproduzieren. Schließlich können wir ja auch nicht sagen: „Porsche ist mir zu teuer, ich bau mir selbst einen, oder lass mir im Ausland eine günstige Fälschung anfertigen.“

Von wegen verehrte Designer!

Immer wieder bekunden die Replikate-Anbieter ihre größte Verehrung für die Bauhaus-Designer und deren Werke. In Wirklichkeit setzen sie sich aber völlig eigenmächtig über die Entscheidungen der Designer hinweg. Wenn die jeweiligen Designer gewollt hätten, dass Jedermann ihre genialen Möbel nach eigenem Gusto produzieren kann, dann hätten die Designer ihre Möbel nicht urheberrechtlich schützen lassen. Es bleibt dabei: Wer geschützte Möbel ohne die Erlaubnis des jeweiligen Schöpfers reproduziert, handelt unrechtmäßig und zudem äußerst respektlos gegenüber dem Willen und Werk des Designers.

100% originalgetreu, ohne das Original richtig zu kennen?

Die Anbieter der Kopien behaupten, die Möbel zu 100% originalgetreu nachzubauen. Aber wie können sie das, ohne die Spezifikationen des Designers zu kennen? Die lizensierten Hersteller sind diejenigen, die Zugriff auf die Unterlagen des Designers haben. Sie haben sich nicht einfach selbst zum lizensierten Hersteller ernannt, sondern sind in den meisten Fällen vom Designer persönlich ausgewählt worden, um seine Produkte zukünftig in Verantwortung zu produzieren. Wie kommen die Kopierer allen Ernstes dazu, sich heute einfach über diese Entscheidung des Designers, den sie angeblich ja soooooo verehren, eigenmächtig hinweg setzen zu können.

Berühmte Namen für minderwertige Ware!

Die Nachbauer versprechen höchsten Qualitätsanspruch für ihre Fälschungen, welche sie unter den verkaufsfördernden Namen berühmter Designer vermarkten. In Wirklichkeit liefern sie meistens extrem minderwertige Ware, von welcher die Käufer bereits nach kurzer Zeit enttäuscht sind. Viele Käufer (gewerbliche und private) ahnen nicht, dass sie diese Möbel, die sich als Fehlkauf herausgestellt haben, nicht einfach bei ebay oder sonstwo weiterverkaufen können – damit würden sie sich strafbar machen.

Falsche oder fiktive Preis- und Rabatt-Angaben!

Die Anbieter von Replikaten arbeiten mit undurchsichtiger, auf Täuschung ausgelegter Preisgestaltung: Oft werden beispielsweise die Original-Preise der Original-Produkte angezeigt, um darauf dann einen gewaltigen Rabatt von z.B. 70 % zu geben. Das ist rechtlich allein schon höchst bedenklich, denn sie dürfen gar nicht einfach den Preis eines Originals für ihre Kopie angeben, welche in Material und Verarbeitung einfach nicht dem Original-Standard entsprechen kann. In anderen Fällen werden fiktive, deutlich niedrigere „Listenpreise“ für die vermeintlichen Klassiker angegeben, auf welche dann ein kleinerer (solider wirkender) Rabatt gegeben wird.

Hersteller-Garantien sind wertlos!

Die Anbieter der Kopien geben mitunter großzügige Hersteller-Garantien von 5-10 Jahren an. Aber was hat der Käufer davon, wenn er nicht weiß wie lange der dubiose Anbieter noch existiert und erreichbar ist, in Anbetracht der allgemeinen Zuspitzung der Rechtslage.

Getürkte „namhafte“ Hersteller!

Einige der Replikate-Anbieter verweisen in ihrer Kommunikation auf „namhafte Hersteller“ für ihre kopierten Produkte. In Wirklichkeit gibt es für alle von ihnen angebotenen „Klassiker“ allerdings oft nur einen einzigen Hersteller, z. B. in Italien, der die Fälschungen anfertigt und bei näherem Hinsehen keinerlei Referenz-Nachweis für „namhaft“ erbringen kann.

Falsche Behauptungen über aktuelle Rechtslage!

Fast alle der Fälscher betonen auf ihren Webseiten, dass sie in der Auslieferung ihrer im Ausland produzierten Kopien nach Deutschland vollkommen legal handeln, weil das Gesetz der Warenverkehrsfreiheit in der EU ihnen dies zugesteht. In Wirklichkeit gibt es jedoch längst ein dieses Gesetz überstimmendes Urteil des BGH und des EuGH, wonach Spediteure die Möbel nicht nach Deutschland liefern dürfen.

Bestellte Ware, die nie ankommt!

Oft werben die Replikate-Anbieter auf ihren Webseiten mit einem problemlosen, versicherten Versand nach Deutschland. In Wirklichkeit besteht für Kunden, die bei ihnen bestellen jedoch ein erhöhtes Risiko, dass ihre Ware nie ankommt, weil die ausliefernden Spediteure kontrolliert und die Waren beschlagnahmt werden.

Bauhaus Haus

Was tun, wenn Replikate keine gute Option sind?

Ehrlich gesagt hoffe ich, dass dem ein oder anderen bei näherer Betrachtung der Sachlage zu Replikaten die Lust auf Bauhaus-Kopien vergeht. Nicht, weil ich es euch nicht gönne, einen tollen Shopping-Schnapper zu machen. Vielmehr, weil ich euch den Ärger und die Enttäuschungen rund um die Fälschungen nicht gönne. Und weil es einfach höchst unredlich ist, wie die Fälscher sich sowohl gegenüber den Designern wie auch gegenüber den (ahnungslosen) Käufern verhalten.

Aber muss man seine irrationale Leidenschaft für schöne Designerklassiker deswegen gleich ganz an den Nagel hängen? Ich glaube nicht. Vielmehr hilft ein Blick darauf, wie wir uns bei anderen Leidenschaften für andere Dinge verhalten: Im Zweifel kaufen wir weniger, aber dafür genau das Lieblingsstück, das wir haben wollten. Auch bei diesen anderen Dingen kommen wir eher nicht auf die Idee, eine Fälschung oder Kopie von dem, was wir eigentlich wollen, zu kaufen.

Ehrlich gesagt glaube ich auch, dass uns unser Instinkt eh in vielen Situationen steuert, um uns vor dem sogenannten „miesen Karma“ zu bewahren. Und Fälschungen sind aus meiner Sicht zweifelsohne mit ziemlich viel miesem Karma umgeben.

Bauhaus Architekten

Wo bekomme ich die echten Bauhaus Möbel?

Auch wenn das Internet voll von Anbietern für Bauhaus-Replikate ist, gibt es mindestens genauso viele Online-Shops, die vollkommen seriös arbeiten und ausschließlich fälschungsfreie Bauhaus Möbel anbieten.

Eine ganze Reihe meiner Lieblings-Online-Shops, welche ausschließlich solche Originale von lizensierten Herstellern anbieten, kannst du dir z. B. hier ansehen. Oft ist auch der Kauf von gebrauchten Bauhaus Klassikern eine gute Alternative. Neben den hochpreisigen Liebhaberstücken (welche vor vielen Jahrzehnten produziert wurden) gibt es oft auch gebrauchte Originale, die erst vor kurzem produziert wurden, sehr gut erhalten und günstiger als ein Neukauf sind. Pamono ist hier z. B. eine richtig gute Adresse.

Egal ob nun gebraucht oder neu – jeder echte Bauhaus-Klassiker stellt definitiv eine mit vielen Vorteilen besetzte, echte Wertanlage dar. Nicht ohne Grund nehmen die Original-Klassiker aufgrund ihrer Langlebigkeit in Qualität und zeitlosem Design über viele Jahre feste Stammplätze in unserem Interieur ein. Und sie bewahren bzw. steigern ihren Wert über die Jahre und können jederzeit gut verkauft oder noch besser den eigenen Kindern als Designschätze vererbt werden.


Wie immer bin ich gespannt auf deine Meinung, gerade auch zu diesem brisanten Thema von Original versus Kopie. Schreib mir gerne einen Kommentar, auch deine Fragen beantworte ich jederzeit sehr gern!

photo credit: BAUHAUS BOOK, 1969 via photopin (license)
photo credit: AUS via photopin (license)
photo credit: Divers mai juin 2014 148 via photopin (license)
photo credit: FF Bau via photopin (license)

 

Designermöbel online finden

6 Comments

  1. Wenn man das so kompakt liest ist es schon erschreckend, wie mit diesen Designikonen Geschäfte gemacht werden. Würde mich mal interessieren, wie die Designer reagieren würden, wenn sie das noch live miterleben würden, da wär sicher der ein oder andere schockiert wie manche Kopierer ihre Werke verschandeln…

    • Hallo Mark, danke für deine Nachricht! Ja, ich stell mir das auch ziemlich schlimm vor, wenn man als Designer dabei zusehen muss, wie die eigenen Werke „entweiht“ werden, hoffen wir mal dass dieser Fälschungsmarkt noch weiter eingedämmt werden kann!

  2. Holla die Waldfee, das ist ja wirklich eine ziemlich brisante Angelegenheit mit den Fälschungen! Mir war die Rechtslage so gar nicht bewusst, werde jetzt mit schärferem Blick auf die Angebote gucken, danke, dass du auch Alternativen aufzeigst.

    • Hallo Sarah, danke für dein Feedback, genau das ist der Punkt: Viele wissen gar nicht mit welchen Problemen die Replikate behaftet sind. Deshalb hoffe ich, dass möglichst viele davon erfahren und sich vor einer Enttäuschung bewahren können.

  3. Ich war jetzt auf ein paar Seiten für günstige Designermöbel, bei denen mich die schlechte Grammatik und Schreibfehler stutzig gemacht haben. Bei näherem Hinsehen ist klar geworden, dass es allesamt Seiten aus England waren, für Replikate. Ist schon heftig der Preisunterschied, aber mit Fälschungen will ich nichts zu tun haben! Danke für die Info.

    • Hallo Jeff, freue mich über deine Nachricht und ja, die schlecht übersetzten Websites der Kopierer sind als Erkennungszeichen ganz nützlich, um sie als zweifelhafte Anbieter schneller zu entlarven;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*